Zwischen den Jahren

Silvester ... ein Tag des Abschieds

Wieder habe ich sehr lange nichts geschrieben.

 

Aber nicht, weil ich nicht wollte, sondern weil ich nicht konnte.

 

Die Weihnachtszeit ist eine intensive Zeit, für alle Menschen. Und für Trauernde ganz besonders. In dieser Zeit der Gemütlichkeit, der Stille und des Innehaltens wird unser Verlust noch deutlicher spürbar als er ohnehin immerzu ist.

 

So kurz nach deinem Tod durch diese Besinnlichkeit gehen zu müssen, war für mich eine absolute Horrorvorstellung. Also habe ich dafür gesorgt, dass ich von Mitte November bis Weihnachten mit „Arbeit“ zugepflastert bin – also mit 1000 Dingen, die erledigt werden müssen.

 

Ich habe versucht meine Trauer hinunterzuschlucken und mich auf die Vorbereitungen für das diesjährige Weihnachtsfest zu konzentrieren. Das ist mir natürlich nur teilweise geglückt – denn Trauer lässt sich nicht einfach so vergraben.

 

Trauer ist immer da, ob man es nun möchte, oder nicht.

 

Aber ich habe sie für mich behalten und es dadurch zumindest geschafft deinem Bruder und dem Rest unserer Familie ein möglichst unbeschwertes Fest zu gestalten; hoffe ich zumindest.

 

Wir haben heuer sogar erstmals den Christbaum mit deinem Bruder gemeinsam geschmückt. Er war hochkonzentriert und furchtbar stolz, dass er helfen durfte. Dein Papa hat ihm die Kugeln gegeben und er hat sie zum Baum getragen und eine nach der anderen aufgehängt – an die immer gleiche Stelle der Lichterkette.

 

Trotz all seiner Vorsicht und Konzentration ist dann irgendwann doch eine abgestürzt und zu Bruch gegangen. Dein Papa war erleichtert, dass es nur eine einfärbig goldene Standardkugel war und keine von meinen schönen, teuren Einzelstücken. Und selbst wenn es so eine gewesen wäre … na und?

Es wäre trotzdem nur eine Kugel gewesen. Früher wäre ich sehr traurig gewesen, wenn so eine zu Bruch gegangen wäre – aber jetzt ist sowas egal, gleichgültig. Denn auch, wenn man sie nicht mehr ersetzen könnte, ist es trotzdem nur eine Kugel, nur eine Christbaumkugel!

 

Der „heilige“ Abend ist also vorbei und Weihnachten somit geschafft.

 

Nun befinden wir uns zwischen den Jahren, in den sogenannten Raunächten. Und mittendrin die nächste Hürde: Silvester …

 

Der Jahreswechsel, wo man für gewöhnlich zurückblickt und dankbar ist, für all das Gute, das einem in diesem Jahr widerfahren ist und gleichzeitig hoffnungsvoll nach vorne blickt auf das neue Jahr und gespannt darauf wartet, welche Möglichkeiten es einem bieten wird.

 

Wenn ich heute zurückblicke auf dieses Jahr sehe ich jedoch nichts Gutes – obwohl es natürlich vieles gibt, wofür ich dankbar bin. Doch mein Jahr 2022 hat mit dir begonnen.

Diese kurze Zeit mit dir, war dermaßen intensiv und dominierend, dass sie für mich das komplette Jahr einnimmt. Und auch wenn das mit unbeschreiblichem Schmerz verbunden ist, habe ich Schwierigkeiten nach vorne zu blicken.

 

Ich möchte es nicht. Ich möchte keinen Jahreswechsel. Denn es wird ein Jahr sein, in dem ich niemals mit dir schwanger gewesen sein werde, in dem du niemals auf die Welt gekommen sein wirst und in dem ich niemals Zeit mit dir verbracht haben werde …

 

Für mich ist der morgige Tag somit kein Tag des Neubeginns, sondern ein Tag des Abschieds. Denn ich muss mich von diesem Jahr, dem gemeinsamen Jahr mit dir, verabschieden. Ich muss mich von DIR verabschieden – schon wieder …

 

Gestern habe ich von einer anderen Sternenkind-Mama einen Spruch geschickt bekommen: „In diesem Jahr war ich stark, nächstes Jahr werde ich glücklich!“

 

Dieser Spruch, der so viel Hoffnung in sich trägt, stimmt zum Teil …

 

Ja, in diesem Jahr war ich stark – weil ich es musste; ich hatte keine Wahl.

 

Aber ob ich nächstes Jahr glücklich werde, weiß ich nicht.

 

Denn im Moment weiß ich nur eines: der Gedanke, dieses Jahr mit dir, morgen gehen zu lassen schnürt mir die Kehle zu und raubt mir die Luft zum Atmen.

 

Doch die Zeit lässt sich nicht aufhalten. Sie bleibt niemals stehen. Sie ist erbarmungslos ...

 

Also werde ich morgen, wenn die ersten Raketen hochgehen, mit Tränen in den Augen in den Himmel schauen und an dich denken …

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Erna Hafner (Samstag, 31 Dezember 2022 10:55)

    Liebe Denise
    Fühlt euch umarmen und gedrückt...ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr...egal was kommt oder wieviele Jahreswechsel noch kommen...er wird immer in euren Herzen sein....

Auch wenn deine kleinen Füße die Erde nie berührten, haben sie doch tiefe Spuren hinterlassen ...