Alles anders

Der Güterzug nimmt wieder Fahrt auf …

Der Güterzug, der uns am Tag deiner Geburt erfasst hat, und seitdem unaufhaltsam weitergefahren ist, hat in den letzten Tagen deutlich an Geschwindigkeit verloren.

 

Seit der Nacht von 23. auf 24. August nimmt er aber wieder rasant Fahrt auf, denn du fieberst.

 

Du hast bis 39,7 °C raufgefiebert, bist in einen Fieberkrampf gekommen – und das ohne ersichtlichen Grund.

Deine Entzündungsparameter sind nämlich weiter rückläufig. Du bekommst bereits 3 verschiedene Antibiotika und auch sonst gibt es kein Anzeichen, woher das hohe Fieber so plötzlich kommt.

 

Auf Paracetamol und Novalgin (2 fiebersenkende Medikamente) sprichst du leider kaum an – dein Fieber bleibt hoch. Deswegen vermutet deine Ärztin, dass es sich um zentrales Fieber handelt. Sie vermutet, dass es durch irgendein Geschehen in deinem Kopf ausgelöst wird.

 

Ich hoffe, dass es „nur“ eine Reaktion auf deine Gehirn-OP am Tag davor ist.

 

In der Nacht macht deine Krankenschwester noch eine Leberkühlung bei dir. Das heißt sie legen dir einen Cool-Pack auf deinen Bauch (genau dort, wo die Leber liegt) und versuchen dich so abzukühlen. Das funktioniert zum Glück und dein Fieber geht runter auf 38,2 °C.

 

Um dich aus diesem Zustand des Fieberkrampfes wieder rauszuholen, bekommst du ein weiteres Sedierungsmedikament (Dormicum) als Dauerinfusion angehängt. Das wirkt zum Glück ebenfalls. Dadurch muss allerdings der Beatmungsaufwand wieder hochgefahren werden – also Weaning-Stopp.

 

Am späten Nachmittag bekommst du am Hals wieder einen zentralen Venenzugang gelegt, da jetzt natürlich wieder häufigere Blutabnahmen notwendig sind. Du bekommst dafür noch mehr Medikamente zum Schlafen und tolerierst das gut. Auch dein Fieber geht dadurch deutlich zurück.

 

Aber die Frage, woher es eigentlich kommt, bleibt …

 

Woher kommt dieses Fieber???

 

Wir wissen es einfach nicht. Und das beunruhigt mich am meisten – denn einen Gegner, den man nicht kennt, kann man nicht bekämpfen.

Und so muss dein kleiner Körper allein damit fertig werden – die Ärzte und Schwestern können dich nur unterstützen.

 

Wir wurden von Anfang an darauf vorbereitet, dass deine Zeit auf der neonatologischen Intensivstation ein Auf und Ab wird – mit Fortschritten und Rückschlägen.

 

Ein Auf und Ab, ok. Aber kann das nicht eine gemütliche Dampflok sein, die bergauf fährt und ab und zu eine kurze, nicht zu steile Talfahrt einlegt? Muss es denn gleich eine Achterbahn sein, die hinab rast ins Dunkle – ohne irgendeine Ahnung, wo sie enden wird???

 

Wir versuchen natürlich weiterhin zu hoffen, positiv zu bleiben …

Aber an manchen Tagen fällt das schwer – da überwiegt einfach die Angst.

Und heute ist so ein Tag …

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Kommentare: 3
  • #1

    Erna Hafner (Donnerstag, 25 August 2022 09:04)

    Oh mein Gott das tut mir so leid...halte ganz fest die Daumen das er alles gut übersteht...denke aneuch..

  • #2

    Christine (Donnerstag, 25 August 2022 09:14)

    Na geh,� ich drücke weiterhin alles zur Verfügung stehende!!!���

  • #3

    Cornelia Göppner (Donnerstag, 25 August 2022 10:04)

    Lieber, kleiner Louis! Es tut mir das Herz weh, wenn ich daran denke, wievel leid und Schmerzen du schon mitmachen musst, um zu überleben. Aber glaub mir, es zahlt sich aus zu k ämpfen, denn deine Eltern und dein bruder werden dich nach Strich und Faden verwöhnen und dir ihre ganze Liebe schenken, damit du all deine Anfangsschwierigkeiten vergessen wirst. Also weiterkämpfen, es zahlt sich aus❤️

Auch wenn deine kleinen Füße die Erde nie berührten, haben sie doch tiefe Spuren hinterlassen ...