Kein Känguruhen

Bewirkt das dein Krampfen?

Da heute Samstag (13. August 2022) ist, können dein Papa und ich, dich gemeinsam besuchen.

Du bist ruhig, entspannt und stabil.

Ich setze mich, wie jedes Mal zu Beginn meines Besuchs, neben deinen Inkubator und beginne Muttermilch für dich abzupumpen.

Kurze Zeit später dürfte dich irgendetwas aufregen, denn dein Zustand verschlechtert sich rapide. Deine Sauerstoffsättigung sinkt auf 45%, dein ganzer Körper läuft blau an und du erbrichst. Das Erbrochene rinnt dir aus Mund und Nase.

Deine Krankenschwester reagiert prompt, ändert deine Beatmungseinstellungen, saugt dir Mund, Nase & Lunge ab und hat alle Hände voll zu tun. Ich stelle mich zu dir, lege meine Hände auf deine Beine um dir Begrenzung zu bieten und versuche dich zu beruhigen.

Die Ärztin, die kurz zuvor das Zimmer betreten hat, richtet währenddessen das Ultraschallgerät her – sie wollte einen Schädel-Ultraschall machen um deine Ventrikel zu beurteilen. Dein Zustand scheint sie nicht besonders zu beunruhigen.

Du bist immer noch instabil, als sie ihren Ultraschall durchführt und das stresst dich. Du bist sehr unruhig, zuckst und fällst mit der Sauerstoffsättigung wieder rapide ab.

Du beruhigst dich erst wieder, als sie dir etwas zum Schlafen geben. Dann stabilisieren sich auch deine Werte wieder langsam.

 

Känguruhen dürfen wir nach diesem Vorfall leider nicht mehr.

Zu anstrengend war das ganze Geschehen für dich – du brauchst Ruhe und Erholung.

 

Beim Heimfahren fragt mich dein Papa, ob er etwas sagen hätte dürfen, als die Ärztin ihren Ultraschall trotz deines schlechten Zustandes einfach durchgeführt hat. Ich sage „ja“ und ärgere mich über mich selbst, dass ich nichts gesagt habe. Sie hätte den Ultraschall bestimmt auch eine Stunde später durchführen können …

Leider war ich zu beschäftigt damit, dich zu beruhigen, sodass ich nicht daran gedacht habe, mich für dich stark zu machen – es tut mir leid!

 

Als ich an diesem Abend, wie immer, gegen 20:30 Uhr anrufe, um mich nach dir zu erkundigen, teilt mir deine Krankenschwester mit, dass du gerade wieder ein vermeintliches Krampfgeschehen hattest. Sie haben dir ein Medikament gegeben und jetzt bist du wieder ganz ruhig und stabil.

 

Ich frage mich, ob es daran liegt, dass wir heute nicht Känguruhen durften …

Denn auch das, durften wir am Tag von deinem letzten Krampfanfall aufgrund der vorangegangenen OP nicht. Studien zeigen ja, dass Känguruhen viele positive Auswirkungen auf Frühchen hat: Verbesserung der Herz- und Atemfrequenz, besserer Schlaf, Steigerung der Sauerstoffsättigung, Förderung der Hirnaktivität, geringeres Stresslevel, …

Und ich bin überzeugt, dass es noch sehr viel mehr positive Auswirkungen hat, die noch gar nicht erforscht sind.

Ich hoffe, dass wir morgen wieder Känguruhen dürfen … ich habe das Gefühl, dass dir das sehr gut tut und du sehr davon profitierst.

Vor allem, da mir aufgefallen ist, dass du jedes Mal weinst, wenn sie dich danach wieder in den Inkubator zurücklegen, und das bricht mir das Herz!

Ich weiß, dass es medizinisch notwendig ist. Es ist notwendig um dein Überleben zu sichern. Aber es ist nicht richtig, es ist einfach nicht richtig …

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Kommentare: 3
  • #1

    Cornelia Göppner (Sonntag, 14 August 2022 11:35)

    Es bricht mir das Herz, wenn ich das lese, armes kleines, Menschlein. So einen schweren Start ins Leben. Denk ganz oft an euch❤️❤️❤️

  • #2

    Monika Großmann (Sonntag, 14 August 2022)

    Liebe Denise, auch mir bricht es das Herz wenn ich das alles lese. Zu Gut kann ich dich verstehen...und ja, fragt nach wenn euch was komisch vorkommt, immer! Auch wenn die Ärzte komisch reagieren sollten, fragt nach! Schreibt euch daheim die Fragen auf, die euch später einfallen, ich weiß, wenn man vor seinem Kind steht, vergisst man wieder alles.
    Ich sende euch viel Kraft und Glück � �

  • #3

    Erna Hafner (Sonntag, 14 August 2022 17:06)

    Ach Gott es macht mich soo traurig dues zu lesen...der kleine Mann kämpft Tag täglich...liebe Denise..lieber Markus seid stark weiterhin...wünsche euch viel glück ❤️❤️❤️❤️

Auch wenn deine kleinen Füße die Erde nie berührten, haben sie doch tiefe Spuren hinterlassen ...