Unsere Geschichte beginnt

Heute ist es genau eine Woche her, dass du geboren wurdest …

Wobei „geboren“ nicht ganz richtig ist, denn eigentlich wurdest du mir völlig überraschend und unerwartet aus dem Bauch gerissen! Eine traumatische Erfahrung, für uns beide – aber von Anfang an:

Am Sonntag, dem 31. Juli 2022 um 14 Uhr bekomme ich Unterleibsschmerzen. Da diese aber nicht wehenartig sind, sondern eher ein dauerhaftes Ziehen, denke ich mir nicht viel dabei – bestimmt der nächste Wachstumsschub mit Dehnung der Mutterbänder. Eine halbe Stunde später spüre ich es zwischen meinen Beinen: Blut!

 

Ich informiere sofort deinen Papa und wir organisieren Oma & Opa für deinen großen Bruder. Ich verabschiede mich von ihm und wir fahren ins St. Josef Krankenhaus, in dem ich eigentlich zur Geburt angemeldet bin – da ahne ich noch nicht, dass ich 5 Tage lang nicht mehr nach Hause kommen werde.

Im Krankenhaus angekommen sind die Schmerzen schon ziemlich stark geworden und das macht sich bei meinem Kreislauf deutlich bemerkbar. Ich übergebe mich im Parkhaus.

 

Ich werde sofort ins Kreißzimmer gebracht, ein Arzt stellt mir einige Fragen und beginnt dann mit dem Ultraschall. Die Worte „Wir haben ein vitales Baby mit kräftigem Herzschlag“ beruhigen mich – aber das soll nur von kurzer Dauer sein …

 

Bei der Plazenta ist er unsicher, sie schaut so dick aus, er möchte eine Kollegin hinzuziehen – wahrscheinlich die diensthabende Oberärztin.

Während wir auf sie warten, sage ich zu deinem Papa: „Mein Bauch ist so weit nach unten gerutscht und steinhart, der kommt heute“. Dein Papa ermahnt mich, nicht den Teufel an die Wand zu malen.

Die Oberärztin trifft ein. Sie fährt 2x mit dem Ultraschallkopf über meinen Bauch, bevor sie sich dem anderen Arzt zuwendet: „Bradykardie (= zu niedrige Herzfrequenz) und vorzeitige Plazentaablösung – Notsectio ausrufen“. (Notsectio = Not-Kaiserschnitt)

 

Dann geht alles ganz schnell. Aus 3 Leuten im Zimmer werden binnen Sekunden geschätzte 10 und bei jedem Einzelnen läutet das sogenannte Notsectio-Telefon. Alles Weitere passiert gleichzeitig: ich werde auf eine Trage umgelagert, ausgezogen, bekomme einen Venenzugang und einen Harnkatheter gesetzt und das Team läuft mit mir los … dein Papa bleibt allein im Kreißzimmer zurück.

 

Ich werde in den OP gebracht und wieder passiert alles gleichzeitig: erneutes Umlegen auf den OP-Tisch, festschnallen, der Anästhesist stellt mir Fragen während er mir bereits die Narkosemaske über Mund und Nase legt, der Sichtschutz wird aufgezogen und ich spüre, wie mein Bauch mit Desinfektionsmittel übergossen wird. Da ich als Diplomierte Krankenschwester (leider) genau weiß, wie ein Not-Kaiserschnitt abläuft, sage ich noch „Bitte nicht schneiden, bevor ich weg bin“ und zack – bin ich auch schon weg.

 

Munter werde ich im Aufwachraum, wo mir mitgeteilt wird, dass du auf der Neugeborenen-Intensiv bist und lebst – Gott sei Dank!!!

Die Kinderärzte teilen mir später mit, dass du um 16:04 (am 31. Juli 2022)  Uhr mit einem APGAR (Wert zur Vitalitäts-Beurteilung bei Neugeborenen) von 0 zur Welt kamst, sprich ohne Lebenszeichen. Du wurdest 5 Minuten lang reanimiert und atmest seitdem selbstständig mit C-PAP Unterstützung (eine Art Beatmungsmaske).

Du hast dich zurück ins Leben gekämpft!!!

 

Doch dieser Kampf soll in dieser Nacht noch weiter gehen …

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Auch wenn deine kleinen Füße die Erde nie berührten, haben sie doch tiefe Spuren hinterlassen ...